Spaziergang im tropischen Regenwald, Taï Nationalpark

Tropischer Regenwald im Taï Nationalpark

Es ist der letzte ursprüngliche Regenwald und Primärwald in der Elfenbeinküste. Heimat vom gefährdeten Zwergflusspferd und Waldelefanten, die nur noch in kleiner Zahl irgendwo in den Tiefen des Waldes leben. Der angrenzende Buyo Stausee bildet zusammen mit dem Regenwald eine traumhafte Mischung aus Wasser und Bäumen.

Schutz des Waldes und gefährdete Arten

Über 4.500 Quadratkilometer erstreckt sich der tropische Regenwald im Taï Nationalpark im Süd-Westen der Elfenbeinküste. Seit 1982 ist der Urwald Teil des UNESCO Welterbe.

Regenwald Waldrand, Taï Nationalpark
Regenwald Waldrand, Taï Nationalpark

Nachdem die Elfenbeinküste in den 80er und 90er Jahren über 40% seines Waldes durch Abholzung verloren hat ist es das letzte ursprüngliche Waldgebiet des Landes. Glücklicherweise waren diverse Schutzmaßnahmen in den letzten Jahrzehnten zumindest so erfolgreich, dass der Wald erhalten geblieben ist. Es existiert eine Pufferzone, die Gelegenheit bietet das Schutzgebiet noch zu vergrößern.

Umsiedelung von Dörfern

Während des letzten Jahrzehnts gab es politische Unruhen in der Elfenbeinküste die unter anderem dafür gesorgt haben dass der Staat die Nationalparks nicht gut schützen konnte. In dieser Zeit wurden im Gebiet am Rande des Nationalparks einfach Dörfer errichtet und die Bewohner haben Teile des Waldes abgeholzt um Kakao anzubauen.

Nach der Rückkehr zur politischen Normalität wurden durch viele politische Bemühungen die Dörfer dann erfolgreich umgesiedelt und die Kakao Bäume abgesägt. So konnte der Regenwald sich wieder ungestört in den Gebieten entwickeln. Mir wurden Inseln gezeigt, die vor 10 Jahren nur noch aus Siedlungen und Kakaoplantagen bestanden. Jetzt, um die 10 Jahre später lässt sich das bei Betrachtung der entsprechenden Gebiete kaum erahnen. Es ist ein super schönes Gefühl nicht immer nur die Zerstörung der Natur zu sehen sondern auch einmal wie in diesem Fall die Rückeroberung durch die Natur.

Für den Schutz des Regenwaldes wird mit der umliegenden Bevölkerung zusammen gearbeitet. Die Parkverwaltung hat es in den letzten Jahren tatsächlich geschafft, dass die Bewohner der umliegenden Gebiete ein Bewusstsein für den Schutz des Waldes entwickelt haben.

Blick aus dem Regenwald auf den See Buyo, Taï Nationalpark
Blick aus dem Regenwald auf den See Buyo, Taï Nationalpark

So profitieren auch die vielen Fischer im angrenzenden See Buyo enorm vom Schutz des Nationalparks. Der Fisch aus dem See ist für seine Qualität in der ganzen Region bekannt.

Bedrohte Tiere

Der Park ist eins der letzten Gebiete in dem das gefährdete
Zwergflusspferd noch vorkommt. Dieses Mini Nilpferde lebt hauptsächlich im Wald und nicht wie sein großer Cousin in Flüssen. Die Tiere stehen auf der roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN und man glaubt, dass weniger als 3000 Tiere weltweit noch in freier Wildbahn leben.

Auch Elefanten gibt es hier noch, wenn auch nicht viele. Wie ich jetzt von einem Freund, der in der Parkverwaltung arbeitet, erfahren habe wurden erst vor ein paar Jahren welche per Fotofalle gesichtet. Dann ist also der Name Elfenbeinküste noch durchaus noch gerechtfertigt, nicht so wie ich dem vorherigen Artikel über die Dörfer geschrieben hatte.

Auch andere seltene Arten wie die Antilopenart, der Zebraducker haben in dem Wald einer ihrer letzten Lebensräume.

Kleiner Urwald Spaziergang

Regenwald, Taï Nationalpark
Regenwald, Taï Nationalpark

Mit Begleitung von Nationalpark Mitarbeitern gehen wir auf einen kleinen Spaziergang in den Wald. Dabei nicht das Gps vergessen, sonst kanns ein bisschen schwierig werden wieder aus dem Wald rauszufinden. Man denkt, dass das ja nicht so schwierig sein kann, wenn man einfach grade reinläuft und dann grade wieder rausläuft. Aber auch mit Machete bewaffnet muss man an vielen Stellen umgefallene Bäume und total dichte Stellen umrunden. Dabei verliert man relativ schnell das Gefühl für die genaue Richtung – vor allem wenn man wie ich immer in alle Richtungen gucke.

Mein Interesse für die ganzen kleinen Pflanzen und Tierchen trifft hier bei den meisten nicht auf so viel Verständnis. Aber die denken ja sowieso schon dass ich ein bisschen komisch bin, weil ich deren Land faszinierend finde und aus dem „verehrten“ Europa herkomme. Da kann noch mehr komisch finden durch die Suche nach allen möglichen Insekten glaub ich zusätzlich nicht mehr so viel schaden.

Regenwald Tierchen – Flora und Fauna

Falter warten auf die Dämmerung, Taï Nationalpark
Falter warten auf die Dämmerung, Taï Nationalpark

Nach unserem Regenwald Ausflug hat einer der Freunde zu Hause seiner Frau halb lachend halb geschockt erzählt, dass ich alles genaustens angeguckt und fotografiert habe… sogar die Schmetterlinge! Die besagten Schmetterlinge sind eine kleine Gruppe Falter, die im Schutz der Blätter auf die Dämmerung warten.

Spinne mit enormen Kieferklauen, Taï Nationalpark
Spinne mit enormen Kieferklauen, Taï Nationalpark

Eine total abgedrehte Spinne ist mein Favorit von dem Tag. Die rot – grüne Färbung in Kombination mit den extremen Fangzähnen hat’s mir einfach angetan. Die Kieferklauen sehen sogar so aus, als wenn sie aufklappbar wären. Über eine Artbestimmung freue ich mich auf jeden Fall.

Termiten Muster an Regenwald Baum, Taï Nationalpark
Termiten Muster an Regenwald Baum, Taï Nationalpark

Ameisen und Termiten lieben es hier in den Bäumen und in dem Holz zu leben. Teilweise sind die Bäume noch komplett am Leben und werden angefressen. Über Jahre geht dann der Kampf Insekten geben Baum. Die Bäume sind hier sehr wehrhaft und überleben oft auch wenn viel Rinde beschädigt wird.

Pilz oder doch eher chlorophyll lose Schmarotzerpflanze, Taï Nationalpark
Pilz oder doch eher chlorophyll lose Schmarotzerpflanze, Taï Nationalpark

Eindrücke aus dem Wald – Video

Auf einmal hört man immer wieder laute ‚Wuuusch‘ Geräusche in den Bäumen in der Distanz. Wie sich rausstellt haben wir ein Rudel Affen gefunden. Sie haben uns aber natürlich zuerst entdeckt und springen von einem Baum zum nächsten – bei jedem Absprung von den Ästen entsteht das laute ‚Wuuusch‘ Geräusch.

Trotz der ganzen Geräusche sieht man von den Tieren überhaupt nichts. Nur einmal sieht man für ein Bruchteil einer Sekunde ein schemenhaften Umriss. Wahrscheinlich der Aufpasser der Gruppe, der guckt wo wir sind während die anderen sich lieber vorsorglich aus dem Staub machen.