Motorradfahrt über Sandpisten zum Dorf Chef Opa Khaki

Mit dem Motorrad über Sandpisten zu Opa Akhaki

Wir sind immer mit dem Motorrad zu den Kakao Landwirten auf den Dörfern unterwegs. Je nach dem wo das jeweilige Dörfchen liegt sind wir an manchen Tagen auch mal über eine Stunde unterwegs. Dabei geht’s meistens über rot gefärbte Schlaglochpisten – die einem bei bisschen afrikanischer Abendsonne genial entgegen leuchten.

Diese Woche waren wir in dem Dorf Petit Bouake unterwegs, wo wir herzlichst von dem Dorf Chef Opa Akhaki und seiner riesen Familie empfangen wurden.

Opa Akhaki – der Dorf Chef

Dorf Chef Opa Khaki
Dorf Chef Opa Khaki

Opa Akhaki, stolze 80 Jahre alt und umso stolzer das Familienoberhaupt einer ziemlich großen Familie. Er selbst hat 18 Kinder mit 2 Frauen, mit der ersten hat er 15 Kinder – Stolze Leistung von der Mutter. Seine Kinder waren aber nicht weniger aktiv… er hat 65 Enkelkinder! Kein Wunder, dass ich da nicht durchblicke wer sein Kind oder Enkelkind ist – die könnten auch das gleiche Alter haben…

Der Opa Akhaki hat sich jedenfalls riesig über uns gefreut wir haben gleich erstmal an der Dorf Versammlung teilgenommen. Super Sache, dann wusste gleich jeder weswegen wir da sind und wir konnten auch gleich Kakao Landwirte aussuchen.

An dem Tag war auch Stéphane mit auf dem Dorf. Wir kennen uns aus Frankreich und er selbst kommt aus der Elfenbeinküste. Er kennt aber erstaunlich wenig von der ländlichen Gegend seines Landes, weil er in der Großstadt aufgewachsen ist. Also haben wir flux ein zweites Motorrad organisiert und ich hab ihm meine Arbeit gezeigt und er hat ein paar Interviews gemacht.

Schon am ersten Tag hatte er mich anscheinend überaus lieb gewonnen und darauf bestanden, dass ich ihn Opa Akhaki nenne. Quasi jedes Mal wenn wir nach der Arbeit wieder nach Hause fahren wollen kommen wir nicht dran vorbei mit ihm zu quatschen und dann auch gleich mindestens was zu essen. So planen wir also immer ein bisschen Zeit bei Dorf Chef Opa Akhaki ein um lecker Soßen mit Maniok zu essen und zu quatschen. Er ist ganz begeistert von der deutschen Wirtschaftsleistung und meint ich soll den Deutschen nur das Beste über die Ivorianer und vor allem über seine Familie erzählen.

Trockener Humor vom Dorfchef

Opa Khaki ist übrigens auch sehr führsorglich – jedenfalls bei mir… er hat nämlich unglaublich Angst, dass ich nicht genug Essen abbekomme. Er hat uns als Gäste eine großen Teller auftischen lassen und meinte nur total trocken, dass ich ja schnell essen soll, weil sonst die Afrikaner (womit er meine Kollegen meinte) alles aufessen. Was mich da sofort zum laut loslachen gebracht hat, bringt mich jetzt immer noch zum Schmunzeln. Wie ein richtiger Opa der Angst hat, dass sein Enkel hungrig ins Bett gehen muss.

Dann hat er gefragt, was ich gerne trinke, und ich hab ein paar Sachen aufgezählt. Dann hat er eins seiner Kinder losgeschickt, wohlbemerkt in einem Dorf ohne Strom und fließend Wasser, und kam direkt mit einer eisgekühlten 0,66 L Flasche Bier wieder – ich war beeindruckt.

Auch da meinte er die anderen bekommen nichts, bis ich nicht das Glas leer trinke und weit weg von mir auf den Tisch stelle. Da es aber noch ziemlich früh Mittags war hatte aber sowie so keiner von uns so richtig Lust viel Bier zu trinken.

Eine Tochter zum Heiraten

Ganz spontan zwischendurch fällt dem Dorf Chef dann ein, dass ich doch eine seiner Töchter heiraten soll – wobei ich mir allerdings nicht sicher bin, ob er nicht eher seine Enkelinnen meint. Da hatte er sich auf jeden Fall etwas fest in den Kopf gesetzt. Dass ich noch nicht so wirklich Lust habe zu heiraten wird als Ausrede komplett ignoriert. Bei jeder weiteren Gelegenheit an den folgenden Tagen muss ich mindestens einmal dankend abweisen.

Ich habe Glück, dass ich auch am Ende der Woche noch das Dorf verlassen darf ohne eine seiner Töchter oder Enkelinnen geheiratet zu haben. Aber er meint ich muss mir zumindest eine Frau von seiner Ethnie suchen.

Winkende Menschen und querende Hühner

Das Erstaunen darüber mich als Weißen durch die Dörfer fahren zu sehen ist dem ein oder anderen wirklich leicht anzusehen. Das teilweise emotionslose Starren lässt sich aber super mit dem kleinsten Gruß total einfach auflockern und durchbrechen. Dann wird gelacht und zurückgegrüßt und gewunken. Es ist als wenn man mit dem so normalen Verhalten vom Hallo Sagen auf etwas so natürliches zurückkommt, dass man damit einen kleinen Bann durchbricht, der einen dann auf das menschliche Niveau zusammen bringt.

Wenn dann der Blick von den Menschen wieder auf die Straße schweift, ist dort eigentlich immer irgendein Tier unterwegs, auf die man ein Auge haben muss. Mal ist es eine Rinderherde, ein anderes Mal mitten auf der Dorfstraße dösende Schafe.

Vor ein paar Tagen war dann auch eine Entenfamilie unterwegs. Die Kleinen waren grade durch eine rote Pfütze gewatschelt und waren alle nach der Reihe an der Unterseite perfekt gleich rot eingefärbt. So liefen sie dann der Mama hinterher – ein absolut genialer Anblick :-D.

Meistens sind es aber Hühner, die plötzlich mit einem Affenzahn über die Straße sprinten. Tatsächlich sind es aber alle Tiere anscheinend total gewohnt, auf der Straße Motorrädern auszuweichen oder zumindest einfach nur stumpf stehen zu bleiben. Bis auf die paar panischen Hühner passiert das meistens in erstaunlicher Gelassenheit – als wenn die Tiere nicht die Energie unnötig verschwenden wollen.

Camp Elephant – ohne Elefanten

Manche mini Dörfer haben hier auch tatsächlich Ortsschilder. Da die mir während der Motorrad Fahrt andauernd vor die Nase kommen ist das ein gutes Titel Bild. Irgendwie tat mir dieses Dorf namens „Camp Elephant“ aber mit seiner Namensgebung ein bisschen leid. In der Elfenbeinküste sind so gut wie alle Elefanten ausgerottet. Man sollte denken, dass ein Land welches selbst nach den Tieren benannt ist und auch seine Fußball Nationalmannschaft Elefanten nennt, die National Tiere gut schützen würde. Leider haben die Konflikte in den letzten 20 Jahren in dem Land den Schutz der Elefanten zusätzlich erschwert.

Ganz eventuell und mit viel hoffen gibt es vielleicht noch ein ganz paar Urwaldelefanten in einem der Nationalparks. Ich werde demnächst zu dem Tai Nationalpark fahren, wo ein Freund von mir viele Jahre für den Schutz des Parks gearbeitet hat. Er wird mir ein bisschen was vom letzten Rest des ursprünglichen Waldes in der Elfenbeinküste zeigen.