Lecker Bandji

Bandji Kultgetränk aus der Elfenbeinküste

Was wird traditionell in alten Benzinkanistern serviert, schäumt wie nichts Gutes, kann einen je nach Gärungsgrad ziemlich schnell betrunken machen und ist anscheinend das absolute Lieblingsgetränk der Ivorer?
Klar geht‘s irgendwie um Alkohol aber wenn man sich so in den Städten und Kleinstädten umguckt sieht man eher Bier und Wein trinkende Leute.

Was ist überhaupt Palmwein?

Bangji oder Palmwein ist ein alkoholisches Getränk aus vergorenem Saft vom Inneren unterschiedlicher Palmarten. Der Palmwein aber ist etwas klassisches der Landbevölkerung, auch weil es in guter Qualität nicht einfach außerhalb der Dörfer zu haben ist.

Bandji Palmewein wird ausgeschenkt
Bandji Palmewein wird ausgeschenkt

Vor meinem ersten Probieren hab ich mit Palmwein eher schlechten Alkohol mit extrem viel Kopfschmerz Potential in Verbindung gebracht. Jetzt bin ich mir gar nicht mehr so sicher, wo meine Vorstellung eigentlich mal her kam. Aber wie dem auch sei – Palmwein hat mir hier bisher noch keine Kater Kopfschmerzen bereitet.

Geschichte vom Palmwein in Afrika

In Afrika hat Palmwein eine ziemlich lange Geschichte. Schon über 3500 Jahren haben die Ägypter drüber geschrieben. Aus Westafrika gibt es leider generell wenig historische Überlieferungen. Weil aber die Ölpalme ursprünglich aus West Afrika stammt, sind die Leute hier bestimmt schon früh auf die Idee gekommen sich an Palmwein blau zu trinken. An Kreativität bei der Herstellung von Rauschmitteln hat es ja in der Menschheitsgeschichte nicht gemangelt.

Trink Rituale

Palmwein aus Kalebasse trinken
Palmwein aus Kalebasse trinken

Wenn man so als Dankeschön für den Besuch auf dem Dorf und den Plantagen dann regelmäßig Bandji bekommt lernt man auch zwangsmäßig die Rituale schnell kennen.
Beim ersten Probieren hab ich eine Kokosschale voll mit dem süßen Wein bekommen. Klar denkt man da einer zum Probieren geht immer. Wenn man den dann aber weggesüffelt hat und die Schale brav zurück gibt kommt die aber gleich wieder gefüllt zurück. Und das obwohl du in einer kleinen Gruppe um diesen mit Palmwein gefüllten Benzinkanister sitzt… Ok – also trotz des anfänglichem Verdutzt sein trinkt man dann auch den Zweiten Trunk natürlich freundlicherweise aus. Wenn dann aber nach dem Zweiten auch noch der Dritte kommt hakt man dann schon mal nach was das jetzt genau auf sich hat.

Stellt sich heraus, dass es Tradition ist, dass der Gast am Anfang einfach immer drei Becher – oder eher Kokosschalen voll bekommt. Wenn der Wein sehr stark ist wird das eventuell noch auf zwei reduziert aber im Normalfall eben halt nicht.

Nach dem man sich diese drei Schalen runtergekippt hat man kurz erst mal Ruhe. Das Problem ist aber auch, dass man sich nicht viel Zeit beim Trinken lassen kann, weil es eben nur eine Trinkschale gibt. Also versucht jeder auch schnell auszutrinken, damit die anderen nicht lange warten müssen. Wenn der Kanister jetzt nicht zu groß ist (also fast in jedem Fall) wird auch getrunken, bis dieser eben leer ist…

Wenn man dann nach seinen ursprünglichen drei Bechern wieder an der Reihe ist bietet sich dann auch erstmals die Gelegenheit irgendwie abzulehnen, ohne völlig den Gastgeber zu verprellen. Und man will ja schließlich mit den Landwirten auf einer guten Basis zusammen arbeiten.

In den allermeisten Fällen gab es Palmwein erst nach der getanen Arbeit. Wenn das Ganze aber zu übel getrieben wird und man gleich am morgen schon genötigt wird den Kanister platt zu machen muss man sich was einfallen lassen. Mit den Trinkgewohnheiten mitzuhalten geht dann auch nicht, wenn man an dem Tag noch irgendetwas zustande bringen will.

Irgendwann hab ich dann eine kleine Kompromiss Lösung gefunden, die auch gut akzeptiert wurde. Ich habe immer gesagt, dass der leichte „Bandji fille“ für morgens zum Trinken ist und das man den starken „Bandji garçon“ eher Nachmittags/Abends trinken sollte. Mehr zu der Benennung gibt’s unter „Wie schmeckt Palmwein?“

Trinkgefäße

Zu der Tradition gehört dann auch das entsprechende Gefäß zum Trinken. Die Vielfalt der traditionellen Behältnisse zum Bandji trinken hat mich erstaunt. Die hängen ein bisschen von der Region ab und wenn man sich in mehreren Regionen bewegt gibt’s dann ab und zu mal ein anderes. Aber es hängt auch davon ab von welcher Palmenart der Bandji kommt.

Landschaft mit Borassus Palmen, Borassus akeassii
Landschaft mit Borassus Palmen, Borassus akeassii

In manchen Savannen Gebieten gibt es einen extremen Wildwuchs an Ronierpalmen. Wie hier im Foto sieht man die Ronier Palmen fast bis zum Horizont.

Die Kokosnuss Schale finden die hier aber am besten. Die gibt’s in hell, wenn die Kokosnuss noch nicht so ganz ausgereift war und in echt schickem ganz dunklem braun, wenn die Nuss schon sehr reif war.

Ronier Bandji in Kalebasse
Ronier Bandji in Kalebasse

Dann gibt es auch noch die halbierten Flaschenkürbisse, Kalebassen die dann auch gleich wie eine Kelle aussehen. Das hat den Vorteil, dass man gleich einen Henkel dran hat. Ich glaube das die auch eher in den trockeneren Regionen benutzt wird, wo nicht so viele Kokospalmen wachsen, sondern eher die Ronier Palmen.

Palmwein Trinkgefäß aus Ronier Palmen Blatt
Palmwein Trinkgefäß aus Ronier Palmen Blatt

Wenn man jetzt besonders in der Savanne nicht viele Möglichkeiten für Behälter hat muss man sich was anderes einfallen lassen. Also was macht man ohne Kokospalmen, Kalebassen und nichts anderes außer Ronierpalmen. Stellet sich raus, dass ebendie Palme ziemlich stabile Blätter hat, die man frisch so zusammen falten kann, dass man im getrockneten Zustand dann eine kleine Schale hat.

Wie stellt man Palmwein – Bangji her?

Gefällte Ölpalme für Bandji Palmwein Ernte
Gefällte Ölpalme für Bandji Palmwein Ernte

Beim sich berauschen war die Menschheit ja schon immer kreativ. Wie die Leute jetzt aber auf die Idee gekommen sind ihre Lieblingspalme um zu fällen, ein Loch reinzuhauen, Feuer in dem Loch zu machen und dann den rauslaufenden Saft vergären zu lassen ist mir nicht so ganz klar – Aber sie machen es einfach und was dabei rauskommt ist auf jeden Fall extrem beliebt unter den Ivorern.

Die richtige Palme

Ölpalme, Elaeis guineensis
Ölpalme, Elaeis guineensis

Bangji wird in den feuchteren Gebieten der Elfenbeinküste hauptsächlich aus Ölpalmen fabriziert.

Ronier Palme, Borassus akeassii für Bandji Ernte präpariert
Ronier Palme, Borassus akeassii für Bandji Ernte präpariert

Weiter im Norden, wo keine Ölpalmen wachsen nimmt man die Ronier Palmen. Die Herstellung ist aber bei beiden Palmen ganz ähnlich. Die Ölpalmen werden aber gefällt und im liegenden Zustand entsprechend bearbeitet, an die höheren Ronier Palmen wird eine Leiter gebastelt und dann oben an der Krone alles präpariert. Beim Geschmack unterscheiden sich der Bangji der beiden Palmen nur durch eine dezente Nuance im Nachgeschmack.

Das Palm Herz

Palmherz anscheiden, Palmwein ernten
Palmherz anscheiden, Palmwein ernten

Entscheidend für die ganze Palmwein Herstellung ist das Herz der Palme. Das findet sich zentral oben im Stamm und ist der Ursprung des Blatt Wachstums. Das Besondere am Palmherz ist der zuckrige Saft, der sich prima vergären lässt. Tatsächlich ist der sogar so voll mit Zucker, dass er sich nicht einmal ansatzweise dazu bringen lässt nicht sofort mit dem Gären loszulegen…

Um ans Herz zu kommen wird die Palme gefällt und dann per Machete ein Loch in den Stamm geschlagen um von oben an das Palmherz zu kommen.

Zuckersaft extrahieren

Feuer machen direkt am Palmherz
Feuer machen direkt am Palmherz

Wenn man sich bis zum Palmherz vorgearbeitet hat muss noch irgendwie der Saft raus geholt werden. Der läuft aber nicht freiwillig, der muss ausgekocht werden.

Dazu wird ein Bündel trockene Palm Blätter angezündet. Jetzt ist das Loch ganz nützlich, wenn das groß genug ist kann man mit den brennenden Stöckern das Feuer direkt an das Palmherz bringen.
Mit einem hohlen Bambus Stöckchen wird dem Feuer dann Luft zugepustet. Ein Teil vom Palmherz wird so genug erhitzt, dass man danach nur noch mit einem Messer am Rand entlang schneidet und der Saft raus läuft.

Vorbereitung für die Bandji Extraktion
Vorbereitung für die Bandji Extraktion

Durch ein Mini Loch im Boden vom großen Loch kann dann die Flüssigkeit nach unten in einen Plastik Behälter geleitet werden.

Ziemlich viel Bandji am Ende des Tages

Den kompletten Ernte Prozess kann man bei der Öl Palme zwei Mal täglich machen, einmal morgens und einmal abends.

Bei der Ronier Palme kann man sogar bis zu drei Mal am Tag Palmwein ernten. Da kommen dann jeweils auch einige Liter zusammen – das sorgt dafür, dass immer was Gutes zu Trinken aufm Dorf vorhanden ist.

Die Gärung

Bei dem Extraktionsprozess kommen genug Hefen in den Palmsaft, dass es ziemlich schnell anfängt zu Gären. Mit dem Austrinken wird da nicht sehr lange gefackelt.

Die Gärung beim Bangji hab ich als extrem schnell und heftig schäumend kennen gelernt. Die Wucht die da hinter steckt wird einem spätestens bewusst wenn man mal versuch Bangji in einer Flasche zu transportieren und die Hefen so viel Druck aufgebaut haben, dass einem der Deckel beim Öffnen um die Ohren fliegt und alles aus der Flasche schäumt.

Wie schmeckt Palmwein?

Bandji Palmwein zum probieren
Bandji Palmwein zum probieren

Wie bei allem was sich durch Geschmack oder Geruch auszeichnet ist es auch bei Bandji das Problem, dass sich der Geschmack bedauerlicherweise nur sehr begrenzt beschreiben lässt. Ein bisschen schmeckt es aber nach Most, nur halt nicht nach Apfel. Durch die alkoholische Gärung prickelt es dann ein bisschen auf der Zunge und im Gaumen.

Je nach Fortschritt der Gärung hat der Palmwein einen unterschiedlich hohen Alkohol Gehalt. Direkt frisch geernteter Bandji schmeckt sehr süß und enthält nicht viel Alkohol, schätzungsweise 2-5 Volumenprozent. Das wird hier eher als Getränk für Frauen oder Mädchen gesehen und daher auch oder „Bandji fille“ genannt.

Wenn das Ganze dann nach einiger Zeit ein bisschen mehr Umdrehungen mit circa 10-15 % hat dann wird es als Jungs oder Männergetränk angesehen. Dann wird der Palmwein „Bandji garcon“ genannt.

Wo kann ich Bandji Palmwein kaufen oder probieren?

Zum Probieren von richtigem Palmwein ist es wahrscheinlich wirklich das Beste in ein Land wie die Elfenbeinküste zu fahren und da auf dem Dorf Bandji direkt frisch geerntet zu trinken.
Meine Suche nach einer Möglichkeit bei uns Palmwein zu kaufen war bisher noch nicht erfolgreich.

Das Getränk ist so beliebt, dass der größte Anteil direkt auf dem Feld ausgetrunken wird. Ziemlich viel wird dann auch noch auf dem Dorf ausgetrunken. Ein eher kleinerer Teil von dem wirklich handwerklich hergestelltem Palmwein schafft es dann in Kanistern tatsächlich irgendwie in die Kleinstädte. Hier aber muss man schon die richtigen Leuten kennen um überhaupt etwas abzubekommen.

Wenn der Palmwein dann aber auch über mehrere Zwischenhändler geht ist das Risiko dann sehr hoch, dass er zwischendurch mit Zucker, Wasser und Hefe gestreckt wird. Die Ivorer trinken Ihren überaus geliebten Bandji nur sehr ungern gestreckt und im Geschmack verfälscht.