Vermessung der ersten Kakao Plantagen

Erste Tage auf den Kakaoplantagen um Soubré

Nach einigen Wochen Vorbereitung, Organisation und Kennenlernen ging es jetzt diese Woche zu den ersten Kakao Plantagen im Osten der Stadt Soubré. Didier hilft mir hier in der Region um Soubré bei der Arbeit. Zusammen haben wir schon testweise am Anfang der Woche die Kakao Plantage am Institut vermessen um jetzt gut geplant die richtigen Messungen zu machen.

Nach einer kurzen Vorstellung durch einen Techniker des Instituts versuche ich dann mit Interviews zu verstehen was die Landwirte eigentlich genau machen und wie sich die Systeme von einander unterscheiden. Später geht es dann zusammen auf die Plantagen um die vielen Kakao Bäumchen zu vermessen.

Lange Wochen der Vorbereitung

Vermessung Kakao Baum
Vermessung Kakao Baum

Damit auf den Kakao Plantagen bei der richtigen Arbeit alles glatt läuft habe ich mir einiges an Zeit genommen, um alles vorzubereiten. Vor allem die Auswahl der Farmen, finden eines Transportmittels und die Besorgungen des restlichen Materials für die Messungen haben viel Zeit in Anspruch genommen. Nicht zu unterschätzen war auch die Zeit, die ich hier gebraucht habe um mich einzuleben. Die Nachbarn kennenlernen, mich in meinem bescheidenen Heim halbwegs einrichten und vor allem herausfinden wo ich gut einkaufen kann und wo ich Essen gehen kann.

Ohne eine eingerichtete Küche bin ich viel darauf angewiesen in Restaurants zu essen, was hier glücklicherweise nicht sehr teuer ist und ich gleichzeitig so noch mehr die lokalen Gerichte wie Fufu (gestampfte Kochbananen mit Maniok) oder Attiéké (Maniok als Zubereitung wie Couscous) hier kennenlerne. Die Gerichte gibt’s natürlich inklusive leckerer Soße und Fisch aus dem Fluss direkt neben an.

Geeignete Farmen ausfindig machen

Kakao Bäume mit Schoten
Kakao Bäume mit Schoten

Alleine schon die groben Regionen um die Stadt herum auszuwählen hat sich als gar nicht so einfach herausgestellt. Vor allem lag das daran, dass hier anscheinend alle ohne Karten arbeiten. Die einzige detaillierte Karte von der Region hängt im Flur des Büros und ich hab den Anschein, dass sie keiner benutzt. Außerdem habe ich seit den ersten Arbeitstagen außerhalb der Stadt das Gefühl, dass der Maßstab nicht wirklich stimmen kann. Eine digitale Karte gibt es nicht einmal.

Ich war nicht schlecht erstaunt als die Person hier, die sich vielleicht am Besten in der Region auskennt, mir für die jeweiligen Dörfer komplett falsche Himmelsrichtungen sagte. Ich dachte zuerst die Orte existieren mehrmals aber anscheinend wird hier gar nicht so gearbeitet. Mit dem Finger können sie aber alle in die Richtung des jeweiligen Dorfes zeigen.

Motorrad als ideales Schotterpisten Transportmittel

Yamaha Motorrad als Transport Mittel der Wahl
Yamaha Motorrad als Transport Mittel der Wahl

Gleich am Anfang kam das grundlegende Problem mit dem Transports auf. Die Schotterpisten außerhalb der Stadt verlangen ein Transportmittel was auch ein bisschen was aushält – Mittel der Wahl auf den afrikanischen Straßen, ein gutes altes Yamaha 125er Motorrad. Da passt man gut zu zweit drauf und kann auf der Halterung hinten noch Gepäck fest schnüren.

Das Institut hatte entgegen meinen Erwartungen keine Motorräder zur Verfügung. Die hatten die komischerweise alle verkauft und kein einziges war auch nur zum Ausleihen verfügbar. Nach einigem Rumfragen konnte ich mir von Privat gegen Bezahlung eins ausleihen.

Hilfe bei den Messungen auf den Plantagen

Dann brauchte ich noch jemanden, der sich in der Gegend ein bisschen auskennt, mir bei der Arbeit helfen kann und im besten Falle noch ein bisschen die Lokalsprachen spricht. Ich hatte bereits im Voraus versucht jemanden über das Institut zu finden. Der erste Versuch scheiterte jedoch an jemandem, der sich im Nachhinein als noch weniger vertrauenserweckend herausstellte als mein Bauchgefühl mir schon am Anfang sagte. Nach einigem Hin und Her habe ich jedoch in Didier eine super Hilfe gefunden.

Treffen mit den ersten Landwirten

Die Landwirte waren erstaunlicherweise überaus dankbar für unseren Besuch und vielleicht auch für unser Interesse. In meinen Augen haben wir Ihnen zwar einiges an Arbeit beschert und waren eher ihnen zum Dank verpflichtet als anders herum. Letztendlich führte das beim Abschied meist zu einem regelrechten Austausch an Danksagungen und wir sind jeden Mal mit einer großen Ladung Früchten nach Hause gefahren.

Vorstellung im Dorf

Das erste Dorf, oder eigentlich Zusammenschluss von mehreren Dörfern heißt Koda. Das liegt weniger als eine halbe Stunde außerhalb der Stadt. Hier hat der Techniker, der uns vorstellt, mal gearbeitet und war auch mal Dorf Chef, wenn ich es richtig verstanden habe.

Der erste Landwirt, den wir treffen wollen ist gleich nicht zu Hause aber das ist nicht so schlimm, es geht gleich weiter zu einem Haus ein paar hundert Meter weiter.

Frédéric und sein Bruder

Haus auf dem Dorf bei Soubré
Haus auf dem Dorf bei Soubré

Hier wohnt Frédéric mit seinem Bruder José, der grade noch außer Haus ist. Endlich mal ein paar Namen, die ich schon mal gehört habe, da fällt einem das Merken gleich deutlich leichter als mit Namen wie Kolobali oder Daouda.

Wir werden trotz des halbwegs spontanen Besuchs von Frédéric und den Damen des Hauses überaus herzlich empfangen. Gleich werden Holzstühle zusammengerückt und der kleine Tisch mit einer bunten Tischdecke bedeckt.
Nach einem kurzen Vorstellen und der Erklärung, was wir hier eigentlich vorhaben, erklärt uns Frédéric in einem kleinen Interview wie er genau die Plantage mit seinem Bruder managt. Dazu kommen immer wieder ein paar Geschichten zu den Anfängen, als hier vor über 15 Jahren noch viel Kaffee angebaut wurde. Nach einem enormen Preissturz wurde dann nach und nach von allen auf Kakao umgesattelt.

Vorbereitung des Materials

Wir mussten nach dem ersten Probelauf der Messung noch eine stabilere Schnur besorgen um die Messparzellen abzustecken. Das war ein bisschen aufwändiger, als ich dachte. Im Laden gab es keine Schnur die lang genug war, aber kein Problem – kann man ja schließlich zusammen knoten. Als Puffer nehme ich 50 Meter mehr, als ich eigentlich brauche. Ich vertraue auch nicht so ganz den Angaben, die mir versichert werden.

Um uns später viel Arbeit zu ersparen bereiten wir die Schnur mit Markierungen der jeweiligen Längen vor. Das gestaltet sich letztendlich aber als eine Aufgabe die auch zu dritt bestimmt eine Stunde dauert, weil die Schnur verknotet ist. Um genügend Platz zu haben breiten wir die Schnur am Straßenrand aus, was natürlich jeden Vorbeifahrenden ins Staunen bringt.
Verständlicher wird Angehalten und Frédéric gefragt was hier vorgeht. Frei nach dem Motto, was zur Hölle macht da eine großer Weißer irgendwo außerhalb vom Dorf mit unserem Nachbarn und einer ewig langen Schnur und einem 50 Meter Maßband am Straßenrand.

Nachdem wir das Band gut vorbereitet und ordentlich aufgerollt haben wird noch kurz unsere knallrote Farbe zum Bäume markieren verdünnt. Dafür nimmt man praktischerweise Benzin aus dem Reservekanister.

Vermessung der Kakaobäume

Vermessung Kakao Plantage
Vermessung Kakao Plantage

Nach dem Interview laufe ich zusammen mit Frédéric und einem GPS Gerät einmal um die Plantage um die Größe herauszufinden. Dann vermessen wir unterschiedliche Bereiche der Plantage. Ein Nachbar ist auch gleich zur Stelle und hilft uns wie selbstverständlich, sodass wir zu viert sehr schnell voran kommen.

Ich dachte zuerst es könnte vielleicht problematisch sein, dass wir die Bäume markieren wollen. Aber das scheint selbstverständlich zu sein und Frédéric nimmt das sogar gleich selbst in die Hand. Durch das zusammen Arbeiten quatschen wir viel und ich versteh immer besser wie alles funktioniert und was für Probleme vorhanden sind. Auf der Plantage sind teilweise so viele Misteln in den Bäumen, dass diese davon mit den Jahren komplett entkräftet werden und sterben. Das passiert bei den Kakao Bäumen wie auch bei den Obstbäumen.

Buschfunk

Gleich am Anfang tauschen wir mit den Landwirten die Telefonnummern aus. Die meisten hier haben sogar zwei Handys mit unterschiedlichen Sim Karten. Kommunikation ist hier total wichtig, auch wenn der Empfang eigentlich nicht wirklich zuverlässig ist. Deswegen wird mir gesagt ich soll gleich die Nummer vom Bruder und vom Nachbarn mit notieren, damit ich rumtelefonieren kann um sich abzusprechen. Die Familienmitglieder und Nachbarn hier wissen allerdings auch immer bestens Bescheid, wo man die Landwirte zu jedem Zeitpunkt finden kann.

Die Kommunikation klappt hier auch mit schlechtem Empfang so gut, dass wir teilweise bei den Häusern vorbeifahren und Bescheid sagen wo wir sind und kurze Zeit später dann schon der Landwirt selbst vorbeikommt. Teilweise wunder ich mich schon wie die uns überhaupt finden… aber wir fallen wahrscheinlich einfach ziemlich auf.

Mittagessen auf dem Dorf

Mittagessen auf dem Dorf
Mittagessen auf dem Dorf

Es wurde mir geraten Mittagessen mit auf die Dörfer zu nehmen, damit ich es dort einfacher mit der Versorgung habe. Schon am ersten Tag wurde aber wie selbstverständlich Essen für uns aufgetischt und geteilt. Wir hatten Baguette, Dosensardinen und gekochte Eier dabei und so haben wir alles zusammen geteilt.

Hier gibt es oft lokal angebauten Reis und dazu eine Sauce und wenn vorhanden auch ein bisschen Fisch aus naheliegenden Gewässern. An dem Tag gab es eine Fäden ziehende Soße die, wie mir erklärt wurde, aus Früchten eines Baumes hergestellt wird – schmeckt ein bisschen süßlich. Dazu gab es für alle zusammen einen Fischkopf in der Soße. Enorm mit wie wenig Essen hier teilweise so harte körperliche Arbeit gemacht wird.

Beim Teilen unserer Lebensmittel musste ich immer wieder darauf bestehen, dass sie doch auch ruhig noch ein Stück mehr nehmen können. Eine unglaubliche Zurückhaltung und Bescheidenheit, was die allgemeine Freundlichkeit nur zu einem Bruchteil wiederspiegelt. An einem anderen Tag wurde uns so viel Reis gekocht, dass wir unsere mitgebrachten Lebensmittel natürlich da ließen. Die Dankbarkeit dafür wurde in einer beinahe Verneigung ausgedrückt, dass mir schon unangenehm war. Als Geschenk haben wir bestimmt zehn Avocados mit bekommen. Schön, wenn sich beide Seiten so über das freuen können, was der andere einem schenkt – auch wenn es nur so simple Sachen wie Lebensmittel sind.

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